Bundespräsidenten der BRD

1949-1959 Theodor Heuss (*31.01.1884, +12.09.1963)
Der baden-württembergische Politikwissenschaftler Theodor Heuss übernahm das schwere Amt des ersten Bundespräsidenten des am Boden liegenden Nachkriegsdeutschland. Adolf Hitler selbst hatte dem Journalisten 1942 Schreibverbot erteilt und so war Heuss im Zuge der Entnazifizierung ein geeigneter Kandidat für das höchste deutsche Amt. Mit viel Geduld und diplomatischem Geschick knüpfte Heuss erste internationale Kontakte und schuf neues Vertrauen. Heuss war nach dem Zweiten Weltkrieg Mitglied der DVP und später der FDP. Der Staatsbesuch 1952 in Griechenland war der Anfang einer Reihe von Reisen ins Ausland. Unermüdlich setzte Heuss sich dafür ein, Deutschland wieder einen Platz in der Völkergemeinschaft zu ermöglichen, die Früchte seiner Arbeit ernteten allerdings erst die Präsidenten nach ihm.

1959-1968 Heinrich Lübke (*14.10.1894, +06.04.1972)
Der promovierte Ökonom und Sozialdemokrat war zunächst Bundesminister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten unter Bundeskanzler Konrad Adenauer. Am 1.Juli 1959 wurde er zum Bundespräsidenten gewählt. Peinliche verbale Entgleisungen Heinrich Lübkes sorgten für Spott und dienten als Vorlage für Kabarettisten und Satiriker.
Lübke hatte im Zweiten Weltkrieg als Statiker und Bauleiter dem Stab Speer unterstanden und seine Unterschrift fand sich auch auf Plänen von Konzentrationslagern. Das steht völlig im Widerspruch zu seinem Engagement für die Dritte Welt und der von ihm forcierten Entwicklungshilfe. Gesundheitliche Einschränkungen und politischer Druck veranlassten ihn 1959 schon einige Monate vor dem Ende den eigentlichen Neuwahlen zum Amtsverzicht.

1969-1974 Gustav Heinemann (*23.07.1899, +07.07.1976)
Der Rechtsanwalt und Politikwissenschafter Gustav Heinemann war bis 1957 Mitglied der CDU, wechselte dann aber zur SPD. Er war Ratsmitglied der EKD, ein entschiedener Gegner der Wiederbewaffnung Deutschlands und vertrat die Interessen von Kriegsdienstverweigerern und Atomkraftgegnern. Während er 1949-1950 noch für die CDU das Amt des Bundesinnenministers inne hatte, bekleidete er dieses von 1966-1969 für die SPD.
1969 gewann Heinemann mit einem sehr knappen Wahlergebnis gegen den Christdemokraten Gerhart Schröder und wurde Bundespräsident. In seiner Amtszeit setzte sich Heinemann weiterhin für Frieden und Aussöhnung ein. Zu seinen Empfängen lud er auch einfache Bürger ein, was ihm beim Volk sehr beliebt machte.

1974-1979 Walter Scheel (*08.07.1919)
Seit dem Jahr 1954 war der Wirtschaftsberater und Marktforscher Walter Scheel Mitglied der Freien Demokratischen Partei. Nach verschiedenen Ämtern auf Landesebene in Nordrhein-Westfalen war er von 1953-1974 Mitglied des Deutschen Bundestags. In den Jahren 1961 bis 1966 war er unter Konrad Adenauer Bundesminister für Wirtschaftliche Zusammenarbeit. Von Willy Brandt 1969 zum Vizekanzler berufen, bereiste er als erster deutscher Repräsentant Israel. Nach dem Rücktritt Brandts wegen der Guillaume-Affäre wurde er Interrims-Kanzler bis zur Vereidigung Helmut Schmidts. Er gewann 1974 die Wahl zum Bundespräsidenten gegen Karl-Friedrich von Weizsäcker. Walter Scheel nutzte seine wirtschaftliche Kompetenz zum weiteren Ausbau der internationalen Handelsbeziehungen der Bundesrepubik Deutschland.

Karl Carstens (*14.12.1917, +30.05.1992), 1979-1984
Der Bremer Rechtswissenschaftler Karl Carstens, CDU, arbeitete nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst als Rechtsanwalt. 1954 wechselte er ins Auswärtige Amt und saß für die Bundesrepublik im Europarat in Straßburg. Er wurde stellvertretender Außenminister und Professor für Staats- und Völkerrecht an der Universität Köln.
Von 1972 bis 1979 war er Mitglied des Deutschen Bundestags und zeitweise Staatssekretär im Auswärtigen Amt.
Im Jahr 1979 wurde er zum Bundespräsidenten gewählt. Karl Carstens holte nun die Vergangenheit ein, denn er war 1934 in die SA eingetreten und war von 1940 bis 1945 Mitglied der NSDAP. Er blieb als Repräsentant der Bundesrepublik Deutschland bis zum Ende seiner Amtszeit umstritten.

1984-1994 Richard von Weizsäcker (*15.04.1920)
Der Diplomatensohn und Adlige Richard von Wezsäcker promovierte als Rechtswissenschafter 1953 in Göttingen, nachdem er schwer verwundet den Zweiten Weltkrieg überlebt hatte. Er arbeitete im Bankwesen und in der chemischen Industrie und war seit 1954 Mitglied der CDU. Von 1966 bis 1984 war er im Bundesvorstand der CDU,
von 1979 bis 1981 bekleidete er das Amt des Vizepräsidenten des Deutschen Bundestags und war von 1981 bis 1984 Regierender Bürgermeister von Berlin.
1984 wurde er zum Bundespräsidenten gewählt und engagierte sich in seinen beiden Amtszeiten für den Dialog zwischen Ost und West. Er kritisierte innenpolitisch vehement die Allmacht der etablierten Parteien und rief sie zur Mäßigung auf.

1994-1999 Roman Herzog (*05.04.1934)
Der Rechtswissenschafter Roman Herzog absolvierte sein Studium an der Universität München. Von 1965 bis 1972 hatte er einen Lehrstühl an der Freien Universität von Berlin inne und war anschließend Rektor der Deutschen Hochschule für Verwaltungswissenschaften in Speyer. Seit 1970 CDU-Mitglied, berief Helmut Kohl ihn 1973 zum Staatssekretär des Landes Rheinland-Pfalz, dann bekleidete er zwischen 1978 und 1983 Ministerämter unter Lothar Späth in BadenWürttemberg. Von 1978 bis 1994 war Roman Herzog Präsident des Bundesverfassungsgerichts.
1994 gewann er die Wahl zum Bundespräsidenten. Er führte 1996 den Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus ein. Legendär wurde seine Berliner Rede 1997, die als “Ruck-Rede” in die Geschichte einging. Er rief damals zu Erneuerung und Umdenken in der Bundesrepublik auf.

1999-2004 Johannes Rau (*16.01.1931, +27.01.2006 )
Der Verlagsbuchhändler Johannes Rau arbeitete zwischen 1948 und dem Jahr 1969 in seinem erlernten Beruf, in dem er sich bis zum Direktor eines Verlags hochdiente. Seit 1957 war Johannes Rau Mitglied der SPD, von 1969 bis 1970 Oberbürgermeister von Wuppertal, von 1978 bis 1998 dann Johannes Rau Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen.
1999 wurde er Bundespräsident, wobei er die Wahl gegen die Tante seiner Ehefrau, Uta Ranke-Heinemann, gewann.
Herausragend war Raus Rede im Jahr 2000 vor dem israelischen Parlament, der Knesset. Die Globalisierung unter Berücksichtigung der Bedürfnisse der Menschen lag ihm besonders am Herzen.

2004-2010 Horst Köhler (*22.02.1943)
Sein Studium in Volkswissenschaftslehre und Politikwissenschaften beendete Horst Köhler 1969 erfolgreich in Tübingen, wo er anschließend bis 1977 am Institut für Angewandte Wirtschaftsforschung als Referendar tätig war. Von 1976 bis 1993 bekleidete er hohe Ämter in den Bundesministerien für Wirtschaft und Finanzen und ist seit 1981 CDU-Mitglied. 1993 bis 1998 war er Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands. 1998 bis 2000 war er Leiter der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung., 2000 bis 2004 Geschäftsführer des Internationalen Währungsfonds.
2004 wurde der bis dahin beim Volk relativ unbekannte Köhler zum Bundespräsidenten gewählt und gewann auch 2009 die Wiederwahl. Am 31.Mai 2010 trat Köhler mit der Begründung zurück, seine Kritik am Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr lasse sich nicht mit seinem Amt vereinbaren.

Seit 2010 Christian Wulff (*19.96.1959)
An der Universität Osnabrück studierte Christian Wulff Rechtswissenschaften und legte dort 1987 sein Examen ab.
Er ist seit 1975 Parteimitglied in der CDU und hatte von 1994 bis 2010 ein Direktmandat im niedersächsischen Landtag. Von 2003 bis 2010 war er Ministerpräsident von Niedersachsen.
Als Bundespräsident Horst Köhler nun zurücktrat, wurde Christian Wulff nach mehreren unentschiedenen Wahlvorgängen gewählt. Der katholische Christian Wulff setzt sich für eine bessere Integration in Bezug auf Bildung und Ausbildung der in Deutschland lebenden Türken ein. Insbesondere appelliert er an eine Akzeptanz des muslimischen Glaubens als eine Selbstverständlichkeit neben dem Christentum und dem jüdischen Glauben.