Die Gauck-Behörde

Als Joachim Gauck am 3. Oktober das Amt des Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik übernahm, war ihm wohl bewusst, dass eine mühevolle Kleinarbeit auf ihn und seine Mitarbeiter wartete. Zehn Jahre lang war Gauck Leiter dieser Behörde, bis er sein Amt im Jahr 2000 an Marianne Birthler übergab, seit 2011 ist der Journalist Roland Jahn Leiter der Behörde.

Hauptaufgabe ist es, Tonnen von Akten zu sichten, die das Ministerium für Staatssicherheit der ehemaligen DDR hinterlassen hat und die Anträge auf Akteneinsicht von bisher 1,7 Millionen privaten Antragstellern zu bearbeiten. Abgründe taten sich auf. Die ganze DDR war durch den Geheimdienst infiltriert und Verrat und Spionage im zwischenmenschlichen Bereich an der Tagesordnung. Mit der Androhung von Repressalien erpressten die unzähligen Mitarbeiter der Stasi das Volk, Familie, Freunde und Arbeitskollegen auszuspionieren und zu verraten.

Auf die so genannte Rosenholz-Datenbank mit ihren Mikrofilmen haben das Bundesamt für Verfassungsschutz und die exekutiven Organe der Bundesrepublik Zugriff. Durch die CDU-Spendenaffäre geriet Helmut Kohl zeitweise in Bedrängnis, bis das Bundesverfassungsgericht der Freigabe seiner Stasi-Akte einen weitgehenden Riegel vorschob. Die auch heute noch so genannte Gauck-Behörde hat eine eigene Forschungsabteilung, die sich im Hinblick auf politische Bildung mit den Vorgängen rund um das Ministerium für Staatssicherheit auseinandersetzt.